EXKLUSIVE LEBENSABEND-BEGLEITUNG

Vietnam – schön und arm

Auf dieser Seite beschreibe ich anhand meines sozialen Engagements in dem fernöstlichen Land exemplarisch den wohl markantesten Wesenszug von mir, nämlich ausgeprägte Empathie, Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit.

© Bernhard Stern

Reisterrassen

Wunderschön anzuschauen die Reisterrassen in Vietnam. Für die Menschen jedoch, welche diese Kleinflächen an den Bergen mühsam bewirtschaften müssen, bedeutet es Knochenarbeit und karges Einkommen.

   

Liebe Leserin oder lieber Leser,

im Jahre 2013 lernte ich in einem Urlaub in Thailand einen jungen Mann aus Vietnam kennen, der damals in dem Straßenrestaurant, in dem ich immer zu Abend aß, als Hilfskraft arbeitete. In vielen Gesprächen, mit notwendiger Unterstützung des damals noch rudimentären Google-Translators, erfuhr ich von ihm die Lebensumstände, in welchen seine Familie 2.000 km entfernt lebte. Seinen ganzen Verdienst sparte er, um zu Hause geliehenes Geld zurückzahlen oder Investitionen in bescheidenem Umfang vornehmen zu können. Nach Arbeitsende mitten in der Nacht sammelte er in dem Ort mit einem großen Sack immer noch eine Stunde lang herrenlose Plastikflaschen, die er tags darauf gegen ein geringes Pfand einlösen konnte. Nach etwa 4 Monaten Sammelei hatte er damit so viel Geld zusätzlich erlöst, um sich ein Smartphone im Wert von etwa 130 Euro kaufen zu können. Damit eröffnete sich ihm dann per Internet der Blick in die Welt und dieses Handy hütete er wie seinen Augapfel. Ich richtete ihm darauf WhatsApp ein und seither sind wir fast täglich per Chat in Kontakt über viele Länder hinweg. Die Verständigung klappt zwischenzeitlich ganz gut, entweder auf Englisch, das ich Hạnh mal in den Grundzügen mit Unterstützung einer dolmetschenden vietnamesischen Lehrerin beigebracht hatte, oder aber zusätzlich per Übersetzungsapp.

Hạnh´s Vater litt 20 Jahre lang an einer nicht auskurierten Hepatitis, weil die Familie einfach kein Geld für eine konsequente medizinische Behandlung mit wirksamen Medikamenten hatte. Kurz nach meinem Urlaubsende erhielt Hạnh in Thailand die Nachricht, dass es seinem Vater gesundheitlich zunehmend schlechter ginge. Ich finanzierte ihm dann die Heimreise und den Ausfall seines Einkommens für die nächsten Monate und so konnte er nach Hause zu seinem todkranken Vater eilen und noch einige Zeit lang mit ihm zusammen sein, bis dieser dann mit nur 53 Jahren starb. Dieses tragische Ereignis zum Anlass genommen, legte ich daraufhin eine Art Gelübde ab, dass wenn es mir künftig im Leben gut geht, es Hạnh und seiner Familie nicht mehr schlecht gehen darf. Niemals, solange ich lebe, soll noch einmal jemand aus seiner Familie bleibend an einer Krankheit leiden müssen oder sogar daran sterben, weil das Geld für eine Heilbehandlung fehlt.

Der Kontakt zu Hạnh hat mich verändert, noch nie zuvor wurde ich so hautnah mit Armut konfrontiert. Die aufrüttelnde Erkenntnis über mein eigenes Glück, in einem friedlichen, demokratischen, wohlhabenden und sozialen Land wie Deutschland zu leben, vor allem aber auch gesund zu sein sowie im Falle von Krankheit bestmöglich therapiert zu werden, war für mich eine echte Offenbarung und steigerte meine wesensimmanente Zufriedenheit noch weiter. Schon zuvor hatte ich immer wieder Geld an alle möglichen karitativen Organisationen gespendet, aber seitdem ich Hạnh kennengelernt habe, hat sich bei mir ein echtes Bedürfnis entwickelt, armen Menschen finanziell zu helfen, auch wenn ich selbst dafür zurückstecken muss.

Pflug

Ich habe Hạnh über die Jahre hinweg geholfen, in seine Landwirtschaft zu investieren und ein neues Haus zu bauen. Er hat damit eine Familie gründen können und ist nun Vater eines süßen kleinen mandeläugigen Sohnes mit dem Namen Sang. Seine Frau konnte 6 Jahre lang ihren Beruf als Erzieherin nicht ausüben, weil sie die notwendigen Zulassungsgebühren für eine Anstellung nicht hat aufbringen können; mit meiner Hilfe arbeitet sie heute in einem Kindergarten, 30 km von ihrem Wohnort entfernt, zu dem Sie mit dem Moped täglich frühmorgens bei jedem Wetter 2 Stunden über Berg und Tal hin- und abends weitere 2 Stunden zurückfahren muss. Solch eine Strapaze ist in Vietnam jedoch kein Grund zu klagen; Nga, so ihr Name, hat dadurch soziales Ansehen und Selbstbewusstsein gewonnen und ihre Familie ein regelmäßiges Einkommen, welches allerdings um die nicht unerheblichen Fahrzeugkosten geschmälert wird. In einigen Jahren soll sie aber heimatnah in einem Kindergarten arbeiten können.

Durch meine finanzielle Unterstützung hat Hạnh das Privileg, nicht, wie viele Wanderarbeiter auf der Welt, das ganze Jahr weit weg von zuhause arbeiten zu müssen, sondern tagtäglich mit seiner Familie, insbesondere aber mit seinem dreijährigen Sohn zusammen sein zu können. Auf früheren Reisen in Asien beobachtete ich immer wieder Gastarbeiter, wie sie nachdenklich vorbeigehenden Touristen mit Kindern hinterher schauten, wahrscheinlich die fremden Menschen aus einer anderen Welt in ihrem tiefsten Inneren um deren Glück beneidend und in Gedanken und Wehmut bei ihren eigenen Kindern, welche sie nur wenige Wochen im Jahr in der Zeit des Neujahrsfestes sehen können und bei jeder jährlichen Heimkehr feststellen müssen, dass ihr Nachwuchs wiederum ein Stück gewachsen ist oder die Jüngsten vielleicht sogar fremdeln. Ich möchte mir gar nicht die Sehnsucht dieser Väter nach ihrer Familie das Jahr über fernab der Heimat vorstellen. Mit Videochat ist das Heimweh für solche armen Menschen heutzutage zwar wahrscheinlich erträglicher als früher per gelegentlichem Telefonkontakt, aber sein Kind zu jeder Zeit liebkosend in den Arm nehmen zu können, es zu trösten, wenn es weint, bei Krankheit an seinem Bett zu wachen, seine Entwicklung mitzuerleben, wie es gehen und sprechen lernt und sich seine eigene Persönlichkeit herausbildet, ist dagegen unvergleichlich. Hạnh soll diesen Herzschmerz eines Vaters weit weg von zuhause nicht haben. Ich hoffe, ihm noch viele Jahre dieses Los ersparen zu können.

Reisbäuerin

Es sind aber nicht nur die Investitionen in Haus, Haushalt und Landwirtschaft, die ich für seine Familie die letzten Jahre übernommen habe und ich hier gar nicht alle aufzählen kann, sondern auch für viele seiner Verwandten die Kosten für klinische Untersuchungen in der Hauptstadt Hanoi (200 km entfernt), Krankenhausaufenthalte, ambulante ärztliche Behandlungen, Medikamente, Geburtshilfe, Bestattungen, Schulgeld, Kindergeburtstagsfeiern, Kleidung für Heranwachsende sowie Zuwendungen an Hinterbliebene und zur Gründung einer Familie. Des Weiteren unterstütze ich mehrere Familien bei Reiszukäufen und Lebenshaltung in der momentan schwierigen Coronazeit.

Erst kürzlich: Der kleine Bruder von Tuyển (für den ich auf der nächsten Seite einen Paten suche) mit 13 Monaten hatte über einen längeren Zeitraum nicht an Gewicht zugenommen, sondern im Gegenteil durch Appetitlosigkeit noch verloren. Zudem weinte er immer wieder anhaltend. Die örtlichen Ärzte konnten hierfür keine Ursache ausfindig machen. Da unerklärlicher Gewichtsverlust aber ein ernstzunehmendes gesundheitliches Alarmsignal ist, die Familie des Jungen jedoch über keine finanziellen Mittel für einen umfassenden Check-up und eine medizinische Behandlung verfügte, übersandte ich Hạnh hierfür Geld per Sofortüberweisung mit der Maßgabe, den Jungen umgehend auf Herz und Nieren überprüfen zu lassen. Huy, so der Name des Kleinen, wurde dann tags darauf in einem Kinderkrankenhaus in Hanoi professionell untersucht mit dem Ergebnis, dass er 20% untergewichtig war und er an einer Lungenentzündung litt. Der Junge wurde anschließend zur Behandlung ins Provinzkrankenhaus eingewiesen, wo er Infusionen und Medikamente bekam, bis die Pneumonie weitgehend abgeheilt war. Heute überschlagen sich seine Eltern geradezu vor Dankbarkeit mir gegenüber, nachdem die Fachärzte sie aufgeklärt hatten, dass eine Verschleppung der Krankheit bei ihrem geschwächten Kind zu chronischer Schädigung der Lunge bzw. zu Hirnhaut- oder Herzmuskelentzündung hätte führen und damit sogar lebensbedrohlich hätte enden können. In Hạnh´s Dorf wäre Huy nicht das erste Kind gewesen, welches an einer nicht therapierten Lungenentzündung gestorben ist.

Reisfeld

Ganz aktuell: Hạnh´s Tante, 53 Jahre alt, hatte einen Schlaganfall erlitten, war dabei ins Koma gefallen und wurde ins regionale Krankenhaus eingeliefert, wo sie aber mangels medizinischer Geräteausstattung nicht operiert werden konnte. Nachdem ich die Zusage gegeben hatte, für die Behandlungskosten von Hà, so ihr Name, aufzukommen, wurde sie in ein modernes Krankenhaus nach Hanoi verlegt. Dabei lernte ich die ganze Unbarmherzigkeit eines unterfinanzierten Gesundheitssystems in einem Dritte-Welt-Land kennen. Bei Ankunft der bewusstlosen Patientin in der Klinik in Hanoi verweigerten die Ärzte die sofortige Behandlung; erst müsse das Geld für die intensivmedizinische Diagnostik und Therapie vorab bezahlt sein. Ein Fixbetrag, welcher dem Vielfachen des Jahreseinkommens eines vietnamesischen Wanderarbeiters entsprach und der von Hà´s Familie niemals hätte aufgebracht werden können. Das Geld meiner "Sofortüberweisung" konnte in jener Nacht aber nicht von der Bank abgeholt werden, sondern erst am nächsten Morgen, weshalb die Patientin 14 Stunden lang im Krankenhaus unbehandelt blieb und lediglich Sauerstoffunterstützung für die Beatmung erhielt. 14 Stunden, wo bei einem Schlaganfall doch jede Minute zählt, um eine dauerhafte organische Schädigung zu verhindern, weil Gehirnzellen infolge Blutunterversorgung absterben. Erst nachdem der geforderte Betrag in der Klinik in voller Höhe bezahlt worden war, wurde Hà mittels Hightech-Gerätschaft untersucht und anschließend operiert -- 27 Stunden nach dem erlittenenen Schlaganfall. Wenn der Betrag nicht vorab beglichen worden wäre, dann wäre Hạnh´s Tante - bewusstlos wie sie war - ohne medizinische Versorgung in das regionale Krankenhaus zurückgebracht oder nach Hause entlassen worden. Die Ärzte schätzten für diesen Fall die Überlebenschance von ihr auf nur 15-20 Prozent. Hà erwachte nach einer Woche wieder aus dem Koma und wurde nach zwei Wochen ins Regionalkrankenhaus überführt. Sie erholt sich ganz langsam, hat aber Gott sei Dank keine neurologischen Schäden erlitten, kann Brei essen und Milch trinken und beginnt zur Zeit mit gymnastischen Übungen zwecks Muskelaufbau. Ich hoffe, dass sie weiter gute Fortschritte macht. Die Kosten für eine so teure Heilbehandlung wie in dem Krankenhaus in Hanoi auf - für vietnamesische Verhältnisse - höchstem medizintechnischen Niveau könnte ich allerdings nicht oft übernehmen.

Auch erwähnenswert: Bevor ich Hạnh kennengelernt habe, bin ich jedes Jahr im Winter 4 Wochen lang in die Sonne verreist. Da ich mit meinen beschränkten finanziellen Mitteln jedoch nicht beides tun kann, nämlich die Welt erkunden und gleichzeitig an arme Menschen viel geben, habe ich die letzten 8 Jahre aufs Reisen verzichtet.

Für die einen am anderen Ende der Welt bin ich mit meinen Hilfsleistungen eine "Seele von Mensch", wohingegen ich für viele andere hierzulande wohl ganz schön blöd sein muss, so sie denn den Umfang meiner Zuwendungen wüssten. Aber wenn die Menschen in Vietnam mit meiner Hilfe glücklich sind, dann bin ich es auch.

Frau mit Korb

Ich glaube an eine glückliche Fügung des Schicksals, als Lohn für meine praktizierte Nächstenliebe irgendwann auf jemanden mit ebenfalls humanistischer Geisteshaltung zu stoßen, der für mich den Kontakt zu einem passenden älteren Menschen mit ebenso sozialem Wesen herstellt – so bedingungslos wie ich für Hạnh eine Bresche aus seiner Armut geschlagen habe – und so uneigennützig wie ich mich für eine gute Zukunft für Tuyển und Sang einsetze. Lesen Sie dazu bitte die nächste Seite .

Es grüßt Sie herzlich

Bernhard Stern

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